„Das ist Demokratie, Ihr Lieben“

Podiumsdiskussion im Wilhelm-Normann-Berufskolleg zur Bundestagswahl am Sonntag  (26.09.2021)

Die Uhr in der Sporthalle an der Bielefelder Straße zeigte 11.15 Uhr an, als Moderator Jörg Brökel nach knapp zwei Zeitstunden die Veranstaltung mit launigen Worten beendete. „Das ist Demokratie, Ihr Lieben“, rief er ins Publikum, das aus 280 Schülerinnen und Schülern des Wilhelm-Normann-Berufskollegs bestand. Teilzeit- wie Vollzeitklassen hatten in ihren Politikstunden Fragen zur Bundestagswahl am Sonntag vorbereitet. Sie erhofften sich aufschlussreiche Antworten von den Kandidaten des Wahlkreises Herford / Minden-Lübbecke II; Kandidatinnen stehen bei diesen sechs Parteien im Wahlkreis 133 nicht in der Auswahl. Und zumindest um Worte war keiner der Kandidaten verlegen.

Gelbe und rote Karten

Christine Schwigon hatte das Event im Namen der Schulleitung eröffnet. „Wir sind stolz, dass wir die Veranstaltung realisieren konnten.“ Verbunden damit der Dank an Schülerschaft und Kollegium für das gezeigte Engagement. „Danke auch an die Politiker, dass sie in der heißen Phase des Wahlkampfes gekommen sind.“

In vier größeren Blöcken äußerten sich Maik Babenhauserheide (Grüne), Joachim Ebmeyer (CDU), Jan Lieberum (Die Linke), Sebastian Schulze (AfD), Stefan Schwartze (SPD) und Jens Teutrine (FDP) zu den Themen Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, Digitalisierung und Vorhaben für den hiesigen Wahlkreis.

Ein strenges Zeitregiment führte Miriam Soelling, Lehrerin für Politik und Wirtschaft, mit gelben und roten Karten. Gelbe Karten mahnten zur Eile, rote Karten beendeten die Redebeiträge. Auffällig die unterschiedlichen Temperamente, mit denen die Kandidaten zu überzeugen versuchten: Ruhig und abgeklärt, moralisch und emotional, geschliffen und argumentativ. Nicht wirklich überraschend die Rezepte, damit es dem Patienten Deutschland dauerhaft gut ergehen soll: mehr Markt oder mehr Staat, mehr Steuern oder mehr Schulden (oder beides), mehr Vorgaben oder mehr Initiative.

 

Respekt über Parteigrenzen hinweg

Wer weit genug vorne saß, konnte manches mal in den Gesichtern Empörung oder Ablehnung erkennen. Nicht zu verkennen aber auch das entspannte Gespräch zwischen den beiden Kandidaten der bisherigen Großen Koalition aus CDU und SPD, Joachim Ebmeyer und Stefan Schwartze. Über die Parteigrenzen hinweg bekundeten die Vertreter von Die Grünen, FDP und Die Linke Respekt füreinander. Jens Teutrine (FDP): „In der Sache sind wir weit auseinander, aber alles gut.“ Außerhalb dieses Konsenses stellte sich der Vertreter der AfD, Sebastian Schulze, nachdem er mehrfach von den Mitbewerbern als „Alt-Parteien“ gesprochen hatte und mit seinen Ausführungen über Masken, gender-gerechte Sprache und Europäische Union erkennbar und spürbar weder auf dem Podium noch im Publikum zu überzeugen wusste.

 

Eine gute Wahl

Abschließend noch ein paar kurze Antworten mit ja oder nein, weißen beziehungsweise schwarzen Karten. Das muss zwangsläufig an der Oberfläche bleiben, zumal es dabei um so komplexe Themen ging wie die künftige Außenpolitik Deutschlands. Interessant die letzte Frage, die von einem Schüler ins Mikrofon gesprochen wurde: „Ich habe hier so viele Vorschläge gehört. Wer soll das eigentlich alles bezahlen?“ Diese Frage war für ernsthafte Antworten dann doch zu groß, zumal die zur Verfügung stehende Zeit längst abgelaufen war. So hatte Jörg Brökel als Moderator nicht nur das letzte sondern auch das allerletzte Wort: „Allen, die schon dürfen, wünsche ich eine gute Wahl.“